Worte der Weisheit

 

Bert Hellinger

Das Leben wird von der Liebe gelenkt. Es geht um mehr Liebe und es ist Liebe.

Das Leben sagt: ja. Die Moral sagt: nein. Was ist sie dann wert?

Was Du liebst, lässt Dich frei.

Wie wird jemand wirklich glücklich? Ohne Hoffnung. Die Hoffnung stellt sich vor das Handeln.

Was ist der heilende Satz gegen Hochmut? Ganz einfach: "Ich auch."

Jedes Gottesbild steht im Wege. Es steht zwischen uns und Gott.

Wer die Quelle kennt, der liebt die feuchte Erde.

 

Das gute Gewissen, Religion, Kriege (nach einem Text von Hellinger)

Wer immer seinem Gewissen folgt, lehnt andere ab. Um zu seiner Familie gehören zu dürfen, muss er andere, die anders sind, weil sie ein anderes Gewissen haben, für minder erachten und für weniger gut, und sich für besser als sie halten. Damit steht das Gewissen der Achtung und Liebe für andere, die anders sind, entgegen. Alle Unterscheidungen von Gut und Böse und von Auserwählt oder Verworfen, oder von Himmel und Hölle, kommen aus dem Gewissen. 

Das hängt damit zusammen, dass wir unseren "Gott" oder unsere Ideologie oder unsere "Werte" weitgehend nach den Maßstäben unseres Gewissens erschaffen. Dass unser "Gott" also nur die liebt, die unser Gewissen liebt, und jene von seiner Liebe ausschließt, die unser Gewissen von unserer Liebe ausschließt. Selbstverständlich haben auch die anderen, die ein anderes Gewissen haben, einen "Gott" oder eine Ideologie oder "Werte", die ihrem Gewissen folgen. Auch sie schließen andere unter Berufung auf ihr Gewissen und auf ihren "Gott" aus. Zum Beispiel uns. So wird das gute Gewissen der einen und das gute Gewissen der anderen zum Spaltpilz, der Menschen und Völker und Religionen voneinander trennt. Ihr gutes Gewissen bringt sie gegeneinander auf. Es rechtfertigt die schlimmsten Grausamkeiten gegen andere, zum Beispiel in den Religionskriegen. 

 

Rainer Maria Rilke

Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein.
(aus dem Gedicht "Der Schauende", 1906)

Denn des Anschauns, siehe, ist eine Grenze.
Und die geschautere Welt
will in der Liebe gedeihn.
Werk des Gesichts ist getan,
tue nun Herz-Werk ...
(aus dem Gedicht "Wendung", 1914)

 

Verschiedenes

Wer nicht fühlen will muss denken.

Der Körper ist das Tor zu den Gefühlen. Die Gefühle sind das Tor zur Unendlichkeit.

 (Christian Meyer)

 

"Denke nicht dein Heil zu setzen auf ein Tun! Man muss es setzen auf ein Sein."

(Meister Eckhart)

 

Wirkliche Lyrik ist (entsteht oder kann verstanden werden) wenn der Verstand sich dem Herz unterwirft.

Selbst Advaita ist nichts ohne das Herz.

(Mooji)

 

All that is required to feel that here and now is happiness is a simple, frugal heart.

(Nikos Katzanzakis)

 

Kriege entstehen immer aus der Moralisierung.

(Hans Werner Sinn)

 

Die Liebe kennt keine Moral und die Moral kennt keine Liebe. Wann verstehen wir endlich: Liebe und Moral sind unvereinbar. 

Das Wissen kennt keine Weisheit und die Weisheit kennt kein Wissen. 

Wo kein Wille ist, ist kein Weg.

Verzeihen ist in Wahrheit die größte Anmaßung. Wer bin ich, das ich verzeihe?

Jeder Vorwurf an die Eltern verhindert die Heilung.

Der Schlüssel zum Glück ist die Achtung. Der Schlüssel zum Unglück ist die Ablehnung.

(mir geschenkt)

 

Nach dem Tod meiner Mutter trauerte ich mehr als ein Jahr lang. Doch eines Nachts schlief ich im Hochland von Vietnam in der Hütte meiner Einsiedelei. Ich träumte von meiner Mutter. Ich sah mich mit ihr zusammensitzen, und wir hatten ein wunderbares Gespräch. Sie sah jung und schön aus, ihr Haar floss herab. Es war so schön, dort zu sitzen und mit ihr zu reden, als wäre sie nie gestorben. Als ich aufwachte, war es etwa zwei Uhr morgens, und ich hatte das starke Gefühl, dass ich meine Mutter nie verloren hatte. Der Eindruck, dass meine Mutter noch bei mir war, war sehr deutlich. Ich verstand dann, dass die Vorstellung, meine Mutter verloren zu haben, nur eine Vorstellung war. In diesem Moment war mir klar, dass meine Mutter immer in mir lebendig ist.

Ich öffnete die Tür und ging nach draußen. Der gesamte Hügel war in Mondlicht getaucht. Es war ein mit Teepflanzen bewachsener Hügel, und meine Hütte befand sich hinter dem Tempel auf halber Höhe. Als ich langsam im Mondlicht durch die Reihen der Teepflanzen ging, bemerkte ich, dass meine Mutter noch bei mir war. Sie war das Mondlicht, das mich streichelte, wie sie es so oft getan hatte, sehr zärtlich, sehr süß... wunderbar! Jedes Mal, wenn meine Füße die Erde berührten, wusste ich, dass meine Mutter bei mir war. Ich wusste, dass dieser Körper nicht meiner war, sondern eine lebendige Fortsetzung meiner Mutter und meines Vaters und meiner Großeltern und Urgroßeltern. Von all meinen Vorfahren. Die Füße, die ich als "meine" Füße ansah, waren in Wirklichkeit "unsere" Füße. Gemeinsam hinterließen meine Mutter und ich Fußabdrücke in der feuchten Erde.

Von diesem Moment an existierte die Vorstellung, dass ich meine Mutter verloren hatte, nicht mehr. Ich brauchte nur auf meine Handfläche zu schauen, die Brise auf meinem Gesicht oder die Erde unter meinen Füßen zu spüren, um mich daran zu erinnern, dass meine Mutter immer bei mir ist, jederzeit verfügbar.

(Thích Nhất Hạnh, aus: No Fear, No Death)

 

The reason why you want to be better is the reason why you aren´t. We aren’t better because we want to be. Because the road to hell is paved with good intentions. 

Because all the do-gooders in the world whether they’re doing good for others or doing it for themselves are troublemakers: on the basis of “kindly let me help you or you will drown,” said the monkey putting the fish safely up a tree.

Sometimes doing good to others and even doing good to oneself is amazingly destructive because it’s full of conceit. How do you know what’s good for other people? How do you know what’s good for you? (How do you know what’s good for the world?) If you say you want to improve then you ought to know what’s good for you, but obviously you don’t because if you did then you would be improved. So, we don’t know. We do not really know how to interfere with the way the world is.

  (Alan Watts)

 

Ich suche nicht – ich finde.
Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen 
und das Finden-Wollen von bereits Bekanntem. 
Finden, das ist das völlig Neue.

Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. 
Es ist Wagnis, ein heiliges Abenteuer.

Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, 
die im Ungeborgenen sich geborgen wissen, 
die in der Ungewissheit geführt werden, 
die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht selbst das Ziel bestimmen.

(Pablo Picasso)

 

Ohne Liebe (nach: Lao-Tze)

Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos. 

Wahrhaftigkeit ohne Liebe macht kritiksüchtig.

Klugheit ohne Liebe macht betrügerisch. 

Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch. 

Ordnung ohne Liebe macht kleinlich. 

Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.

Pflichtbewusstsein ohne Liebe macht misslaunig. 

Macht ohne Liebe macht grausam. 

Ehre ohne Liebe macht hochmütig. 

Besitz ohne Liebe macht geizig. 

Glaube ohne Liebe macht fanatisch.


 

© Christian Adolphy 2021. Alle Rechte vorbehalten.